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Die Geschichte

Baden mit und ohne (Vorab-Auszug, aus der Waldseechronik)

Das Baden ohne Badebekleidung hat in Deutschland schon eine recht lange Tradition.
Der Ursprung für die FKK-Bewegung in Deutschland liegt schon in Kaiserszeiten, also am Ende des 19. Jahrhunderts. Ausgerechnet da, wo die Prüderie ihre heftigsten Blüten trieb. Damals galt der so genannten "Zwickel-Erlass" wo das gleichzeitige Baden von Männlein und Weiblein verboten wurde und wo sich jeder von Hals bis zu den Füßen in Vollkörperbadeanzüge zu verhüllen hatte....

Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb bildeten sich im ganzen Reich FKK-Vereine, die es sich auf die Fahnen geschrieben hatten, nackt zu baden oder sogar nackt zu wandern. Vorwiegend waren es Arbeitervereine, aber in späteren Jahren schlossen sich bürgerliche Schichten nicht mehr aus. FKK betrieb man damals in streng abgeschlossenen Arealen die gut vor gierigen Blicken geschützt waren.

Einen heftigen Einbruch erfuhr die FKK-Bewegung mit der Machtübernahme der Nazis im Jahre 1933. Wie die meisten Vereine wurden auch die FKK-Vereine verboten.
Da aber auch unter den Anhängern dieser neuen politischen Linie FKK-Freunde waren, nutzte das Regime alsbald dieses Potential für die Publizierung des "völkischen Rassegedanken" aus. Man missbrauchte diese Bewegung zur Glorifizierung der arischen Rasse. Unter Ausschluss von Juden wurden FKK- Vereine wieder zugelassen, in denen man sich fortan im "Bund für Leibeszucht" dem unseligen Rassenwahn angepasst wieder dem nackten Baden hingeben konnten.

Aber auch nach dem Krieg hatten es die Nackedeis in Deutschland nicht leicht. Konrad Adenauer war ein absoluter Gegner dieser "Sittenlosigkeit". Die Krönung der Prüderie der Adenauer-Ära gipfelte im so genannten "Schund und Schmutzgesetz". FKK-Vereine wurden erneut verboten.
Im Osten Deutschlands waren Vereine ja grundsätzlich nicht zugelassen, also auch keine FKK-Vereine. Aber dennoch wurde allerorten nackt gebadet. Gerade an den Ostseestränden entwickelten sich zuerst etwas abseits viele FKK-Strände in der Nähe von Campinglätzen. Aber auch im Land selbst entstanden an vielen Seen und an Flussufern zuerst illegal Abschnitte, wo sich FKK-Anhänger tummelten. Schnell mal kam der ABV (für Bewohner der "gebrauchten" Länder: ABV = Abschnittsbevollmächtigter der Deutschen Volkspolizei = heut so etwas wie der Bürgerpolizist ) mit seinem Moped und kontrollierte die Personalausweise. Nicht einfach, denn greife mal der nackten Frau oder dem nackten Mann in die Tasche. Meist erfreute er sich wohl an den Nackedeis und machte aus der Not eine Tugend….

Jedenfalls entstanden in den 60-iger Jahre in der DDR überall offiziell zugelassene FKK-Bereiche. Die entsprechende Gesetzeslage lies das grundsätzlich zu.
Aber auch in den ostdeutschen Amtsstuben fand man keineswegs nur Freunde des freizügigen Badespaßes. Und so kämpften vielerorts Aktivisten des FKK mit mehr oder weniger schnellem Erfolg gegen so manch prüden Staatsdiener.

FKK im Lausitzer Revier

Die vielen Seen und Teiche in der Oberlausitzer Region luden geradezu dazu ein, dem unbekleideten Badespaß nachzugehen.

Und so gab es hier vielseitige Initiativen, deren Wurzeln Ende der 50-iger Jahre in Hoyerswerda und in Cottbus zu suchen sind. Erste ernsthafte Bestrebungen suchten ein offiziell erlaubtes FKK-Bad am Knappensee bei Hoyerswerda einzurichten. Der FKK-Freund Heinemann aus Hoyerswerda bemühte sich bei den verschiedenen örtlichen Organen eine derartige Genehmigung zu erhalten. Dazu initiierte er zwischen 1959 und 1964 mehrere Unterschriftensammlungen in die er alle am Knappensee und den umliegenden Teichen illegal badenden FKK-Anhängern einbezog. Es waren immerhin 117 FKK-Anhänger, die er dafür begeistern konnte und die sich auch trauten, die Petitionen zu unterschreiben. Doch so unter Druck gesetzt untersagten ihm die Behörden kurzerhand, weiterhin Unterschriftensammlungen zu organisieren. 1965 verstarb der FKK-Freund Heynemann ohne den entscheiden Durchbruch in der Oberlausitz geschafft zu haben.

Aber seine Idee wurde von Manfred Geppert und Werner Beyer aus Hoyerswerda aufgegriffen, die ab 1966 von Werner Beyer allein weitergeführt wurde. Bei den örtlichen Organen stieß man auf wenig Verständnis. Auch am Knappensee versuchten Polizisten zuweilen die FKK-Anhänger am Nacktbaden zu hindern. Natürlich ohne nachhaltigen Erfolg.

Werner Beyer gab nicht auf und stellte 1967 einen Antrag zur Genehmigung eines FKK-Bades im Raum Bröthen bei Hoyerswerda an die zuständige Abteilung Kultur beim Rat des Bezirkes Cottbus.

Die Prüfung der Rechts- und Nutzungsverhältnisse zeigte zwar keine gesetzlichen Hindernisse, aber es taten sich andere schier unüberwindbare Hürden auf. Angler sahen ihre Fischgründe gefährdet, notwendige Gelder der Gemeinden standen nicht zur Verfügung. Das war das Aus für das erste Projekt bei Bröthen.

Werner Beyer entschloss sich Hilfe an oberster Stelle anzurufen. Eine Eingabe an den damaligen Staatsrat der DDR sah er als die letzte Hoffnung. „Keine Angst vor großen Tieren“ war der Leitspruch Werner Beyers, als er im Juni 1967 das Schreiben an den Staatsrat der DDR verfasste. Nach unvorstellbarer kurzer Zeit, nämlich schon am 10. Juli 1967, erhielt Werner Beyer von der Kanzlei des Staatsrates der DDR eine vertröstende Rückantwort. Immerhin wurde nun die Angelegenheit von ganz oben an den Rat des Bezirkes zurückgegeben. Dieser erklärte dann auch, bis zur Saison 1968 ein entsprechend geeignetes Objekt zu suchen und vorzubereiten, nicht ohne den dezenten Hinweis an Werner Beyer, sich doch selbst bei der entsprechenden Suche zu beteiligen.

Auf jeden Fall war nun im Arbeitsplan des Rates des Bezirkes verankert, noch im Jahr 1968 in seinem Verantwortungsbereich ein FKK-Bad zu eröffnen.

Flugs war eine Arbeitsgruppe gebildet und die machte sich auf die Suche nach einem geeigneten See.

Wie der Waldsee zu seinem Namen kam

Das Fundstück der Suche war ein so genanntes Tagebaurestloch, ein Überbleibsel des Braunkohletagebaus Ausgangs des 19.Jahrhunderts, mit dem Namen „Landzunge“ mitten im Muskauer Forst, direkt vor den Toren der Stadt Weißwasser. Dieser See erwies sich entsprechend der bestehenden Kriterien als geeignet, ein solches FKK-Bad zu errichten.

Am 30. März 1968 fand die erste Begehung des künftigen Geländes statt. Fortan wurden „Nägel mit Köpfen“ gemacht. Natürlich wieherte auch der sozialistische Amtsschimmel kräftig, denn es musste wie überall in Deutschlands auch im Muskauer Forst alles seine geordnete Rechtmäßigkeit haben.

Und so erhielt der See nicht gerade ideensprühend den Namen „Waldsee“ Dieser Namen wurde sofort so in die Karten eingetragen und war damit amtlich. Die künftig dort badenden Nackedeis waren offiziell als „Sportfreunde“ zu bezeichnet.

Natürlich mussten in einem ausführlichen Vortrag die Abgeordneten des Rates des Bezirkes über Ziele und Aufgaben eines FKK-Objektes informiert werden. Schließlich brauchte man ja deren Zustimmungen zum Vorhaben. Und man brauchte auch die Genehmigungen vom Staatlichen Forstbetrieb, der Feuerwehr, der Territorial-, Stadt- und Dorfplanung beim Rat des Bezirkes, des Volkspolizeikreisamt, vom Hygieneinstitut und nicht zuletzt von der zuständigen Bergbehörde Senftenberg.

Aber mit dem Segen des Staatsrates der DDR im Rücken waren die Weichen letztendlich auf „Grün“ gestellt.

Schon am 20. April des gleichen Jahres wurde den FKK-Enthusiasten der See vom Staatlichen Forstbetrieb übergeben.

Schnellstart im Jahr 1968

Klar, an Baden war da nicht nur wegen der niedrigen Temperaturen noch gar nicht zu denken. Das Umfeld allein lud keineswegs zum Bade. Es gab viel zu tun. Aber schon am folgenden 21. April, einem Sonntag, begann die emsige Betriebsamkeit, die über viele Jahre das Leben der FKK-Freunde prägen sollte.
Wenige Wochen später, nämlich schon im Juni 1968 wurden die ersten Zeltplätze an die Aktivisten der ersten Stunde übergeben. Voraussetzung für die Zuteilung und Nutzung eines solchen Juwels war allerdings der Nachweis von mindestens 50 Aufbaustunden.
Die Badesaison wurde am 22. Juli 1968 offiziell eröffnet.

Es sprengt den Rahmen, alles aufzuzählen, aber aus einem See mit steilen Ufern, die bis an den Rand bewachsen waren wurde ein wahres Kleinod geschaffen, an dem sich viele FKK-Anhänger pudelwohl fühlten. Das Objekt wurde durch unzählige freiwillige Arbeitsstunden der FKK-Anhänger liebevoll hergerichtet. Verwaltet wurde es durch den Rat der Stadt Weißwasser, der sogar eine hauptamtliche Kraft dazu einsetzte, dieses Gelände ordentlich zu führen.

Es wurde gestattet weitere Zeltplätze einzurichten. Baden und Zelten konnte man als Tagesgast und auch Jahreskarten waren zu bekommen. Wer allerdings eine Jahres-Dauerkarte für einen Platz an der Sonne haben wollte, musste jährlich mindestens 10 freiwillige Aufbaustunden leisten. Dass auch noch 10 DDR-Mark gezahlt werden mussten, war selbst für DDR-Verhältnisse doch sehr preiswert.
Trotz der Verpflichtung für jährlich 10 Stunden gab es niemanden, der sich da drückte. Im Gegenteil – mehrere hundert Stunden im Jahr und pro Familie waren durchaus keine Seltenheit! Allein im Jahre 1969 leisteten die Sonnenanbeter 5.000 registrierte freiwillige und unbezahlte Arbeitsstunden!

Dank der Initiative vieler Sportfreunde des FKK-Bades gelang es nicht wenige finanzielle Mittel bei verschiedenen volkseigenen Betrieben und Großbaustellen „locker“ zu machen und nicht wenig Materialien und Baustoffe fanden mehr oder weniger offiziell ihren Weg an den Waldsee.

Versorgungssorgen und erste Hütten

Der See mit viel Wasser war da, aber an Trinkwasser fehlte es. Das musste in Kanistern von zu Hause mitgebracht werden. Mangels Material zog es sich bis 1972 hin, bis eine Wasserleitung vom nur wenige 100 m entfernten Wasserwerk in Gablenz verlegt werden konnte. Der Stromanschluss kam aber schon im Jahre 1971 zustande. So waren die Voraussetzungen geschaffen, dem zivilisierten Leben etwas näher zu kommen, auch wenn man sich in diesem Gelände ansonsten vom bekleideten Leben losgesagt hatte.
Auch wurden erste Wohnwagen neben den Zelten aufgestellt und es keimte der Gedanke, dass man sich vielleicht auch für dauerhafte Unterkunftslösungen entscheiden könnte. Und so kam es, dass durch Werner Beyer die Idee umgesetzt wurde, ein transportables Holzhaus herzustellen. 50 dieser Hütten mit der Bezeichnung Zelthaus „Sonne“ wurden zum Aufstellen am Waldsee bewilligt. Diese Prototypen sollten später ein echtes Erfolgsmodell für Bungalows in der ganzen DDR werden. Der staatliche Forstbetrieb Weißwasser fertigte diese Holzhütten unter der Bezeichnung „Typ Weißwasser“ in Serie, die in vielen Erholungsgebieten begehrte Quartiere wurden.

Gefahren unter Tage

Während sich am See ein wunderbares Erholungsgebiet entwickelte, lauerte in der Tiefe eine tückische Gefahr. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Braunkohle nicht nur im Tagebaubetrieb abgebaut, sondern auch Untertage. Während der Wirren und den Zerstörungen am Ende des 2. Weltkrieges gingen leider auch die Masse der Bergbauunterlagen verloren. Niemand konnte genau sagen, wo, welche Untertagestrecken geführt worden waren. Der Zahn der Zeit arbeitete aber auch im unbekannten Dunkel tief unter der Erde. Und so kam es Ende der 60-iger Jahre und später immer wieder zu unerwarteten Einrüchen von nicht unerheblichem Ausmaß rund um Weißwasser und auch in unmittelbarer Nähe des Waldsees. Die Bergbehörde nahm diese Gefahr sehr ernst und es wurden Testsprengungen unter anderem in der Nähe des Waldsees durchgeführt. Die ausgelösten Erschütterungen sollten gefährdete Strecken zum Einsturz bringen. Zum Glück erwies sich aber das Areal rund um den Waldsee als weitgehend sicher.
Dennoch wurden auch zu späterer Zeit einige Bereiche in der Nähe des Sees gesperrt. Weitere Untersuchungen konnten aber die Sorgen zerstreuen. Das Gelände wird inzwischen als „Sicher“ eingestuft.

Sport, Spiel, Sonne

Von Anfang an war es nicht alleiniges Ziel der Camping- und Sonnenfreunde, sich durch faules Schmoren in der Sonne nahtlos zu bräunen. Vielmehr sollte auch Sport und Spiel zur aktiven Erholung beitragen. Schon am 20. Juni 1971 wurde am Waldsee das erste Sportfest ausgetragen, bei dem sich sowohl junge als auch ältere FKK-Freunde ganz olympisch, nämlich völlig nackt in diversen Vergleichen ein sportliches Kräftemessen lieferten.
Als Sportart Nummer 1 etablierte sich aber das Volleyballspiel auf einem solide hergerichteten Volleyballplatz mit einer wunderbar feinen Sandspielfläche.
Über Jahrzehnte schallte es fast täglich pünktlich um 14:30 Uhr laut über den See „Volleyball“. Selten waren es weniger als 12 Spieler die sich in Windeseile zusammenfanden. Zeitweilig waren es fast profihafte Spielzüge, die da zu sehen waren.
Auch zum 40. Jahrestag der ersten Waldseesaison wurde natürlich Volleyball gespielt. Auch wenn die Könner von einst nicht mehr mit ganz so glanzvollen Paraden glänzten, es war ein wunderbares Duell bei dem alle wieder ungeheuer viel Spaß hatten.

Von der Selbstverwaltung zur kommunalen Kontrolle

Bei einer offiziellen Begehung durch den Rat der Stadt im Jahre 1971 wurde eine beeindruckende Bilanz gezogen. Man stellte amtlich fest, dass man das „FKK-Familienbad Waldsee“ sehr erfolgreich durch die Benutzer in einer funktionierenden Selbstverwaltung führte. Es wurden sage und schreibe 18.370 freiwillige Aufbaustunden registriert, die selbstverständlich unentgeltlich waren. Das in Bürgerinitiative entstandene FKK-Familienbad sollte fortan als erfolgreiches Beispiel für den Aufbau ähnlicher Einrichtungen dienen.

Aber dieses Loblied wurde nicht zu lange gesungen.
Am 11. Mai 1976 schockierte die Vertreterin der Stadtverwaltung den Geländerat mit der Entscheidung, dass durch die Abteilung Kultur des Rates des Bezirkes rechtswidrige Zustände festgestellt worden wären. Das doch so erfolgreiche Projekt entspräche nicht den gesetzlichen Bestimmungen der Regelungen des Freibadewesens in der DDR aus dem Jahre 1952. Zudem wäre das Bilden von Vereinigungen zum Zwecke der Freikörperkultur rechtswidrig.

Als Konsequenz wurde angeordnet, das gesamte Objekt unter die direkte Kontrolle des Rates der Stadt zu stellen und umgehend vollkommen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Es wurde angeordnet, ab sofort reguläre Öffnungszeiten von Montag bis Sonntag einzurichten und einen Einlassdienst zu organisieren. Das allerdings sollte durch eigens dafür eingerichtete Planstellen beim Rat der Stadt abgesichert werden. Besonders schockierend war, dass fortan jede Organisation von Festen und Veranstaltungen in Eigenregie der Siedler untersagt wurde. Dieser Eingriff der Bezirksführung in die doch wenige Jahre zuvor so hochgelobte erfolgreiche Selbstverwaltung des in Eigenregie der Siedler entstandene FKK-Familienbad löste nicht nur bei den Erbauern der Anlage gehöriges Missfallen aus, sondern stieß auch beim Rat der Stadt auf Unverständnis. Dort vor allem deshalb, weil das Objekt bisher makellos geführt wurde und für die zusätzlich geforderten Planstellen schlichtweg Geld und Personal fehlte. Aber der Rat des Bezirkes setzte bürokratisch seine Forderung durch und zwang den Siedlern aber auch der Stadtverwaltung die Kontrolle auf. Die Bestandsaufnahme im Jahre 1976 war beeindruckend. Immerhin wurden Grundwerte in der erstaunlichen Höhe von fast 590.000.- Mark der DDR ermittelt, die ihren Ursprung in der Bürgerinitiative hatten.

Nach zähen und zum Teil verbissenen Verhandlungen wurde erreicht, dass weitgehend alles seinen „geregelten sozialistischen Gang“ gehen konnte. Mangels kommunalen Personals organisierten die Siedler den Einlass selbst. Tagesgäste löhnten pro Tag 1 Mark. Das Geld wurde gegenüber der Stadt abgerechnet. Im Gegenzug zeigte sich die Stadt nicht allzu kleinlich. Immerhin finanzierte sie im Laufe der Jahre die Umzäunung, des Objektes, sorgte für Sportgeräte und Sicherheitsausstattungen wie Feuerlöscher, Rettungsboote, Beatmungsgeräte und Megafon.

Nach einigem Hin- und Her stellte die Stadt dann auch einen hauptamtlichen Zeltplatzwart ein, dem der neu gegründete Zeltplatzrat zur Seite stand.

Kurzum – die FKK-Freunde kamen letztendlich auch mit der staatlichen Verwaltung ganz gut klar, auch wenn der Büroschimmel zuweilen sehr heftig wieherte.

1990 – das Jahr der „Wende“

In diesem Jahr kippte nicht nur das bisherige politische System der DDR.
Auch für die FKK-Siedler am Waldsee sollte sich einiges ändern.
Die größte Sorge war, dass dieses mühevoll aufgebaute Gelände in fremde Hände kommen könnte und somit der Kotrolle der ursprünglichen Baumeister entgleitet.

Auch hier zeigte sich, dass die FKK-Freunde Entscheidungsfreude und Weitsicht. Mehre Mitglieder setzten Anfang 1990 eine Initiative in Gang, schnellstmöglich einen rechtsfähigen Verein zu gründen. Das war seit Februar 1990 wieder möglich, nachdem die DDR_Regierung ein neues Vereinigungsgesetz erlassen hatte.

Die FKK Freunde waren unglaublich schnell. Ohne viel Federlesen wurde am 7.April 1990 eine Gründungsversammlung einberufen. 72 Hüttenbesitzer, Zeltler und so genannte Tagesgäste waren sich bald einig und der FKK-Club Weißwasser, der kurz darauf die Buchstaben e.V. führte war gegründet. Um auch allen anderen Interessenten den Beitritt zum neu zu gründenden Verein zu ermöglichen, wurde ihnen ermöglicht, sich bis zum 14. April 1990 in die Liste einzutragen und an der Wahl des ersten Vorstandes teilzunehmen.

Eingetragen wurde der Verein entsprechend der Beantragung am 26.April 1990 mit der Nummer 1 im funkelnagelneuen Vereinsregister der Stadt Weißwasser.

Als erster Vorstand wurden Werner Beyer (GF), Klaus Budach (stellvertender GF) und Werner Hunger (Finanzen) eingetragen. Als weitere Mitglieder des ersten Vorstandes gingen Dietrich Beckert, Ingo Hartung (t), Jürgen Pohl und Joachim Reinke in die Vereinsgeschichte ein. In den Jahren danach gab es bewegte Zeiten, die auch im Verein für Unruhe und Veränderungen sorgte. In kurzer Folge wechselte der Vorstand mehrfach. Erst ab dem Jahre 2005 kam das Boot langsam in ein etwas ruhigeres Fahrwasser.
Aktuell steht Eberhard Kreiner als Vorsitzender dem Verein vor.

 

Der lange Weg zum Eigentum

Nachdem der Verein erfolgreich gegründet worden war, machte sich der Vorstand an die Arbeit die Nutzungsrechte am Vereinsgelände einer ordentlichen Regelung zuzuführen. Bereits am 30.4.1990 wurde der Antrag gestellt, den 1974 geschlossenen Nutzungsvertrag zwischen dem staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb und der Stadt Weißwasser auf den neu gegründeten Verein überzuführen. Gleichzeitig wurde der Antrag gestellt, das Gelände durch den Verein käuflich zu erwerben. Aber so einfach sollte das nicht funktionieren.

Das Jahr 1990 verstrich mit Kompetenzgerangel und Streit zwischen der Stadtverwaltung als bisheriger Betreiber, dem staatl. Forstwirtschaftsbetrieb als Eigentümer.

Insbesondere war es die Stadt Weißwasser, die dem Verein das Leben schwer machte. Die Stadtverordneten hatten nämlich ihrerseits am 5.9.1990 den Beschluss gefasst, das vom Verein genutzte Gelände in das Eigentum der Stadt zu überführen. Alle Versuche des Vorstandes, mit der Stadt eine sinnvolle Vereinbarung zur künftigen Nutzung zu treffen, scheiterten. Entwürfe des Vorstandes und Gegenentwürfe der Stadt wechselten sich bis Mai 1991 in regelmäßiger Folge ab und sorgten für mach schlaflose Nacht der beauftragten Vorstandsmitglieder. Die Rechtsunsicherheit belastete alle enorm, insbesondere die Hüttenbesitzer.

Zähneknirschend stimmte der Vorstand am 28. Juni 1991 einem vorläufigen Pachtvertrag zu, der dem Verein einen jährlichen Pachtzins in Höhe von 2.493,- DM abverlangte.

Ungeachtet zahlreicher Kapriolen rund um Nutzung, Pacht, Kauf oder Teilkauf des Objektes Waldsee, die sich zwischen der Stadt Weißwasser, dem Forstbetrieb und dem Verein ergaben, hatten die Vereinsmitglieder am 20.April 1991 einen wichtigen und richtungsweisenden Beschluss gefasst. Der Vorstand wurde beauftragt, bei der Treuhandanstalt, Niederlassung Dresden, den Antrag auf Übertragung des Eigentums am genutzten Objekt Waldsee durch Verleihung oder Verkauf zu stellen.

So kompliziert dieser Vorgang klingt, so kompliziert und vor allem langwierig erwies sich das Vorhaben.

Immerhin waren nicht alle Vereinsmitglieder davon überzeugt, dass dies der richtige Weg sei. Die Zweifler sahen das Gelände in den Händen der Stadt sicherer. Sie gingen davon aus, eine Veräußerung an einen kommerziellen Investor wäre bei diesen Eigentumsverhältnis nicht möglich. Die Entwicklung der folgenden Jahre beweist, dass genau in diesem Gedanken ein gefährlicher Irrtum gesteckt hat. In Zeiten der knappen Kassen wäre für die Stadt dieses Objekt sicherlich ein nicht uninteressantes Objekt gewesen, die Stadtkasse durch dessen Verkauf aufzubessern! Nur gut, es kam anders. Die damaligen Zweifler wurden eines Besseren belehrt.


Das hin und her der Interessen

Die Stadt Weißwasser hatte ihrerseits am 29.1.1991 beschlossen, selbst den einen Antrag zur Übertragung des Eigentums am Objekt Waldsee bei der Treuhand zu stellen. Dieser Beschluss wurde per 2. Juli 1992 wieder aufgehoben. Gleichzeitig sollten die bestehenden Vereinbarungen zwischen der Stadt, dem Forstbetrieb und dem Verein aufzukündigen. Allerdings sollte an deren Stelle eine dreiseitige Vereinbarung zwischen den genannten Partnern treten.

Per 22. Juli 1992 informierte die Forstdirektion Bautzen, dass sie zwar mit der Zusammenführung von Grund und Boden für die Besitzer der Bungalows zuzustimmen, den Antrag auf Eigentumsübertragung an den Klub hingegen abzulehnen. Hier hatten sich die Ereignisse gegenseitig überholt, denn dieses Schreiben bezog sich auf den Beschluss der Stadtverordneten, der zum Zeitpunkt der Verfassung des Schreibens schon wieder aufgehoben war.

Gegenüber der Treuhandanstalt Berlin, Bereich Sondervermögen, erklärte die Stadt Weißwasser, dass sie nunmehr dem Kaufantrag des Klubs nicht wiedersprechen werde und auch keine Restitutionsansprüche erheben werde.

Inzwischen klemmte aber die Säge im Fortgang der Dinge weiter.
In Bezug auf die angeregte dreiseitige Vereinbarung passierte nichts. Weder das Sächsische Forstamt noch die Stadt Weißwasser zeigten Bewegungen. Auf waren die bestehenden Nutzungsverträge aus dem Jahre 1974 entgegen der erklärten Absicht der Stadt noch nicht aufgekündigt worden. Auf Grund dieser Situation erklärte sich der Forstbetrieb eine Entscheidung treffen zu können.
Aber der Vorstand des Vereins legte dem Bürgermeister eine Beschlussvorlage vor, wonach per 30 Juni 1993 die Verträge aus dem Jahre 1974 aufgehoben werden. Gleichzeitig wurde dem Forstbetrieb angetragen, per 1.7.1993 mit dem Verein einen Pachtvertrag zu vereinbaren.
Wieder gab es eine kalte Dusche! Da sich das Gelände nunmehr Treuhandflächen kamen alle Dokumente ohne Unterschrift am 10. August 1993 wieder zurück. Der neue Ansprechpartner wäre nun die BVVG Chemnitz. Allerdings verwendte sich das Forstamt dafür, den Kaufantrag des Klubs zu unterstützen. Das zwischenzeitlich auch die Treuhandniederlassung Leipzig ins Spiel kam, sei nur am Rande erwähnt. Ein schier undurchdringliches Dickicht, in dem Verantwort, Kompetenzen und Entscheidungen hin und her verwiesen wurden hatte sich aufgetan und drohte das Vorhaben des Vereins zu ersticken.

Einzige nachvollziehbare Aktivitäten gab es offenbar nur von Seiten des wirklich hartnäckigen FKK-Vereins. Dieser hatte auf Anraten der Treuhand ein Wertgutachten zum Verkehrswert des Objektes Waldsee in Auftrag gegeben. Zudem sollten die jeweiligen Flächen vermessen werden.
Das Gutachten wurde am 10. März 1993 vorgelegt. Ziemlich exakt 15 Jahre nach dem Startschuss für das Entstehen des Objektes im Jahre 1968.
Mehr als 21.000 m² maß das Objekt der Begierde und eine fast astronomisch anmutende Summe wurden als Verkehrsweg veranschlagt.
Inzwischen waren die Anträge zum Erwerb von der Treuhandniederlassung Leipzig an die NL Chemnitz geleitet worden. Um die Verwirrung perfekt zu machen, informierte die Treuhandniederlassung Cottbus am 7. Juni 1993 darüber, dass nunmehr die NL Dresden zuständig sein.

Die Geschichte vom Volkskomiker Karl Vallentin zu seiner Telefonodyssee als Buchbinder Womminger im Behördendschungel fand hier ein prächtiges Spiegelbild in der Praxis.
Ein neuer Schrecken brach Anfang 1994 über den Verein hinein.
Es kam die Hiobsbotschaft von der NL Dresden, dass Herr Graf von Arnim Restitutionsansprüche geltend gemacht habe. Der Verein reagierte sofort und wendete sich an den Grafen mit der Bitte, sich den Kaufabsichten des Vereins nicht in den Weg zu stellen. Dazu wurde dem Grafen die Besonderheiten der Entwicklungen dargestellt. Nun begann das große Hoffen. Aber eine Antwort blieb aus, bis am 18. Mai 1994 eine Nachricht vom Amt für offene Vermögensfragen eintraf. Das Amt teilte mit, dass die Enteignung gemäß des SMAG Befehl Nr. 64 erfolgt wäre. Damit unterliegt das Gelände nicht der Zuständigkeit des Amtes für offene Vermögensfragen. Der Auftrag an den Verein, sich um eine Entwicklung der grundbuchmäßigen Verhältnisse zum Gelände zu bemühen, brachte auch kein befriedigendes Ergebnis. Am 6. Oktober 1994 traf die Antwort des Grundbuchamtes Weißwasser ein, wonach erklärt wurde, dass es zum Besitz der Standesherrschaft Muskau keine Unterlagen gäbe.

Im Januar 1995 richtete der Verein nochmals ein Schreiben an den Grafen von Arnim.
Gleichzeitig richtete der Rechtsanwalt Klaus Budach, der selbst Vereinsmitglied war und ist, ein Schreiben an die BVVG NL Dresden ein Schreiben, indem er aus einer öffentlichen Publikation aus dem Werk „Muskau: Standesherrschaft zwischen Spree und Neiße“ eine Kopie erstellt hatte, aus dem die Geschichte der Standesherrschaft ersichtlich wurde. Dazu gehörte auch das Enteignungsschreiben der Oberbürgermeister von Muskau und Weißwasser vom 11. Juli 1945. Das brachte offenbar den Durchbruch.

Zwischenzeitlich war ein neuerliches Gutachten erstellt worden, wonach der Verkehrswert mit einer mehr als doppelt so hohen Summe ausgewiesen wurde. Das war ein neuer Schock!


Kaufen kann lange dauern

Trotzdem waren alle froh, als endlich, am 11. April 1995 dem Verein der Entwurf eines Kaufvertrages zugestellt wurde. Eine unglaubliche Erleichterung. Mit der Beurkundung des Kaufvertrages bei einem Dresdner Notar wurde am 3. Mai 1995 der glückliche Schlusspunkt der Odyssee gesetzt.

Mit der Auflassungvormerkung im Grundbuch von Weißwasser vom 25. Juli 1995 war der Verein dem erstrebten Ziel ganz nahe. Die Nachfrage zum Stand der Vertragsdurchführung beim beurkunden Notar vom 19. Februar 1996 ergab, dass der Kauf noch immer nicht rechtskräftig sei.
Noch fehlte das endgültige Ergebnis der Vermessung, da das Grundstück beim Kauf noch nicht endgültig vermessen war. Somit konnte eine rechtskräftige Grundstücksverkehrsgenehmigung noch nicht erteilt werden.

Erst am 8 August 1996 lag das amtliche Vermessungsergebnis vor. Statt der ursprünglich angenommenen Fläche wies das Ergebnis der Vermessung erheblich größere Werte aus. Das hatte natürlich zur Folge, das sich der Verkehrswert erhöhte. Gegenüber dem ursprünglichen Kaufvertrag forderte die Treuhand die Nachzahlung der Differenz. Nicht gerade erfreut stimmte der Verein der Nachforderung zu und endlich – am 28. Juli 1997, nach einem fast 7 Jahre währenden Kampf, wurde der Verein als Eigentümer im Grundbuch endgültig eingetragen.

Die später vollzogene Vermessung und Teilung des Vereinsgeländes in Eigentum Vereinseigentum und Eigentum von mehr als 100 Parzellenbesitzern vollzog sich vergleichsweise reibungslos und unkompliziert.

Dass sich Jahre später Mitnutzungsrechte des Vereinsgeländes durch die Parzellenbesitzer im Grundbuch und die Klärung des Problems der durch die Vereinsmitglieder an den Verein gegebenen Darlehen zum Kauf des Geländes und den damit verbundenen Kosten, als Ausgangspunkt für mächtigen Wirbel sorgen sollte, konnte damals niemand absehen.
Aber auch diese Probleme wurden inzwischen weitgehend ausgeräumt.

Aber dass mit dem grundbuchmäßigen Vollzug des Kaufes die Probleme mit der Trauhand noch immer nicht ausgeräumt waren, ahnte wohl damals niemand wirklich. So war das Jahr 1999 geprägt vom Streit mit der Treuhand um eine Nachforderung einer nahezu gigantischen Summe gegenüber des bislang entrichteten Kaufpreises.

Dieser Auszug aus der Chronik wurde unter maßgeblicher Mitarbeit der Arbeitsgruppe „40 Jahre Waldsee“ gefertigt. Für die textliche Ausarbeitung zeichnen insbesondere verantwortlich:
Klaus Budach, Volker Weber, Wolfgang Pohl

 

Fortsetzung folgt